29.06.2016

Tagung: „Fit für Nachhaltigkeit in Hotellerie und Gastronomie“, Schleswig 29.06.2016

Tagung: „Fit für Nachhaltigkeit in Hotellerie und Gastronomie“

Hotel Waldschlösschen, Schleswig

„Klimawandel, steigende Energiepreise, Fachkräftemangel, hohe Erwartungen der Gäste an umwelt- und sozialverträgliche Angebote: Nachhaltigkeit im Gastgewerbe und in der Tourismuswirtschaft insgesamt gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Die IHK Schleswig-Holstein lädt gemeinsam mit dem Tourismus-Cluster und der
Ostseefjord Schlei GmbH ein, um Impulse zu diesem zentralen Trend- und Zukunftsthema zu geben, gemeinsam mit Ihnen zu diskutieren und von positiven Beispielen zu lernen. Im Rahmen der Veranstaltung sollen praxisnah Themen und Inhalte präsentiert und gemeinsam erarbeitet werden. Die Betriebe und Tourismusregionen stehen dabei im Mittelpunkt der geplanten Strategien und Maßnahmen zur Umsetzung nachhaltiger Lösungen. Ziel ist es Wettbewerbsvorteile zu erreichen und mit einem positiven Image, neue Gäste, durch ein konsequentes Nachhaltigkeitsmanagement in den Tourismusregionen und Betrieben anzusprechen“.Hier geht’s zur Agenda und Quelle
:

Link zur Veranstaltung:
http://www.tvsh.de/fileadmin/content/Service/Kalender/2016-06-29_Einladung_.pdf

Link zum Tourismusverband Schleswig-Holstein:

http://www.tvsh.de/politik-schwerpunkte/natur-umwelt-und-tourismus/nachhaltigkeit/

Eine kleine Anekdote vorweg….

Um fit für die Tagung sein, habe ich bereits am Vorabend noch spät eingecheckt. Ein Blick vorab in Trivago ergab für die Destination Schleswig keinen einzigen Eintrag. Sehr beachtlich! Preis für ein EZ 140 Euro für das 4 Sterne Haus bei den OTA’s. Preis auf der Website 90,00 €. Somit war die Buchung geklärt…))) Geht so Hotelvertrieb, Bar Rate, Ratenparität? Aber das Hotel ist ansonsten zu 100% weiterzuempfehlen, Vor allem die Freundlichkeit des Personals ist hervorzuheben.

Die Tagung begann pünktlich um 09.30 Uhr mit der Begrüßung durch Max Triphaus, GF Ostseefjord Schlei GmbH. http://www.ostseefjordschlei.de

Er hielt einen sehr interessanten Vortrag über die aktuelle Bedeutung der Nachhaltigkeit in der Region.

Im Folgenden möchte ich gerne meine subjektive Zusammenfassung der einzelnen Sessions schildern. Sie haben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und spiegeln lediglich die Meinung des Autors wieder.


 

Vortrag der Firma bluecontec Herr Andreas Koch. Sein Thema war: „Vorsicht statt Nachsicht: Nachhaltigkeit durch Ressourceneffizienz

Ein Auszug aus der Website: „Wir über uns“

„Bei blueContec treffen jahrzehntelange Erfahrung im touristischen Nachhaltigkeits-management auf hohe Energie- und Umweltmanagementexpertise in der Tourismus- und Hotelbranche. Uns von blueContec und unser Netzwerk aus erfahrenen und spezialisierten Beratern verbindet die Leidenschaft, gemeinsam mit unseren Kunden, nachhaltige und wirtschaftlich erfolgreiche Strategien zu entwickeln und umzusetzen“.

Namhafte Kunden wie TUI und Dorfhotel zeugen von hoher Beratungsqualität. Es wurden kurz und prägnant viele praktische Vorschläge aufgezeigt, wie man auch mit wenig Aufwand und kleinem Budget Energiekosten einsparen kann. Die größten Kostentreiber sind seiner Auffassung nach: Heizung, Warmwasser, Küche und das Restaurant. Ein Drittel aller Optimierungsmaßnahmen sind laut Aussage ohne größere Investitionen möglich. Basis war ein Vergleich mit mehreren Kunden. Dazu gehören z.B.:

  • Die optimale Einstellung aller technischen Anlagen
  • Hohe Effizienzsteigerung durch eine regelmäßige Reinigung der Anlagen
  • Bedarfsgerechte Steuerung der Grundlast und des Verhältnisses zwischen Nutzen und der Aufwärmzeit
  • Effiziente Standards der Toilettenspülungen. Wie oft wird gespült durch den Roomservice beim Reinigen der Zimmer?
  • Eine Umstellung auf LED Beleuchtung, kann mitsamt den anderen Maßnahmen, bis zu 1000,00 € pro Monat Ersparnisse bei einem mittleren Betrieb einbringen
  • Es lohnt sich auch den Wasserdurchfluss regelmäßig zu kontrollieren
  • 30% der gesamten Energiekosten gehen alleine nur für Energie und Pumpen drauf. Es stellt sich daher die Frage, ob diese 24 Stunden laufen müssen?

 

Session: „Viele Wege führen nach Rom: Mitarbeiterbindung – ein zentraler Schlüssel zum Unternehmenserfolg“
Ein Vortrag von Robert Cordes, Cordes Rieger Consulting GmbH
 https://cordes-rieger.de/

 

  • Nicht nur die Ziele des Unternehmens müssen erreicht werden, auch die Ziele der Mitarbeiter sind zu beachten. Diese werden häufig nachrangig beachtet
  • „Shared Value“ ist vielleicht in diesem Zusammenhang ein eher unbekannter Begriff. Der Spruch des Tages, wenn es um den vielerlei zitierten „Change“ im Unternehmen geht. „Die Macht der Gewohnheit ist der härteste Klebstoff der Welt„. Ich denke da steckt viel Wahrheit drin. Nicht nur – im Gegenvergleich dazu- beim bekannten „Shareholder Value“ Effekt
  • Derzeit wird intensiv über die „Generation Y“ diskutiert. Diese Generation kennt eher den Begriff „Shared Value“. Ich denke das ist auch ein klares Zeichen des Wertewandels dieser Zielgruppe
  • Ein Unternehmen sollte sich auch viel Gedanken über die Führungsstrategien bzw. „Leadership Trends“ machen. Die Einführung einer Fehlerkultur bzw. „Crazy Responsibility“ fehlt häufig, eher findet man genau das Gegenteil vor. Mit etwas weniger Struktur, mehr persönlicher Freiheit, Mut und vor allem Innovation kann man dies nachhaltig fördern
  • Stichwort „Enabling Leadership“. Unternehmen sollten auch gewisse „Räume“ öffnen und den Mitarbeitern hierdurch Chancen ermöglichen. Dass „Ermöglichen“ steht hierbei vor allem im Mittelpunkt der Betrachtung. Das steht für die nicht ganz selbstverständliche Kernaussage: „Jeder wird zum Chef“. Dieser systemische Führungsansatz hat eher Seltenheitscharakter in der Hotellerie. Ausnahme ist z.B. Marco Nussbaum von Prizeotel.Sein Credo: „Wer nach Diktat führt, wird nicht mehr respektiert“.  Ein Auszug aus der „Tophotel“ Zeitschrift.
    http://www.marconussbaum.com/
    https://www.prizeotel.com/
  • Ein weiteres Best Practice Beispiel ist die „Upstalsboom“ Hotelkette mit dem Geschäftsführer Bodo Janssen. http://www.upstalsboom.de/Es geht um: „Corporate Happiness“. Zitat aus der Website:„Vor vier Jahren waren es die vernichtenden Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung, die mich als Geschäftsführer von Upstalsboom sehr betroffen gemacht haben; die Mitarbeiter fühlten sich schlecht geführt. Die Erkenntnis, dass der „Fisch am Kopf (also bei mir) anfing zu stinken“, war sehr ernüchternd und schmerzhaft. Ich entschloss mich, mich und Upstalsboom zu ändern. Eineinhalb Jahre lang ging ich regelmäßig in ein Benediktinerkloster, um von Pater Anselm Grün und dem „Team Benedikt“ für mich neue Sichtweisen zu verstehen. Parallel hierzu beschäftigten wir uns mit dem Corporate Happiness Ansatz, der auf Basis der positiven Psychologie Menschen dabei unterstützt, glücklicher werden zu können. Im Spannungsfeld zwischen Spiritualität und Wissenschaft begannen wir mit immer mehr Upstalsboomern einen neuen Weg zu beschreiten, den Upstalsboom Weg“.
    Quelle: http://www.upstalsboom.de/der-upstalsboom-weg.html

 

Wenn ein Unternehmen eine Unternehmenskultur hat, sollte diese vor allem auch verschriftlicht werden, damit Mitarbeiter diese „leben“ können.

  • Dänemark wurde als Best Practice Beispiel genannt, wenn es um das Thema: „Work Life Balance“ geht. Studien zufolge haben die Dänen weltweit, den höchstmöglichsten Standard heute bereits erreicht. Auf der Website von Dänemark, wird dies entsprechend propagiert mit:
    Work/Live Balance – The Danish Way
    http://denmark.dk/en/meet-the-danes/work-life-balance-the-danish-way

 


 

Session Best Practice: Nachhaltigkeit im Destinationsmanagement – Am Beispiel der Hochschwarzwald Tourismus GmbH
Thorsten Rudolph, Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Sicherlich stellt sich nun der eine oder andere die Frage, was kann man vom Hochschwarzwald lernen? Dies ist einfach zu beantworten. Der Hochschwarzwald hat eine excellente Markenführung im Bereich einer Destinationsmarke. Weiterhin wurde die Tourismusregion „Hochschwarzwald“ bereits im Oktober 2014 als „Nachhaltiges Reiseziel“ ausgezeichnet. http://www.hochschwarzwald.de/Presse-Service-fuer-Journalisten-und-Redaktionen/Aktuelle-Meldungen/Tourismusregion-Hochschwarzwald-als-Nachhaltiges-Reiseziel-ausgezeichnet

„Der Hochschwarzwald hat seit Oktober 2014 als eine von sechs Pilotregionen den Zertifizierungsprozess des Landes Baden-Württemberg erfolgreich durchlaufen. Das Siegel „Nachhaltiges Reiseziel“ wurde nun von Alexander Bonde (MdL) in Stuttgart verliehen. Es ist das einzige Zertifizierungssystem für Destinationen im deutschsprachigen Raum. Die Hochschwarzwald Tourismus GmbH koordiniert den Nachhaltigkeitscheck innerhalb der Destination mit 28 Partnerbetrieben“.

  • Thema Nachhaltigkeitscheck: Als die erste zertifizierte Destination wurde es geschafft, sowohl die touristische Region, als auch die Leistungsträger, die Bevölkerung und die DMO auf eine gemeinsame Plattform zu stellen
  • Herr Rudolph erwähnte, dass im Rahmen der Customer Journey nicht das rein „hinkommen“ in eine Destination das vordergründige Thema ist, sondern vor allem eher die Frage nach dem Mehrwert der Destination. Jeder Gast muss diese Kernfrage für sich daher beantworten: „Lohnt es sich da zu sein“?
  • Die Ökologie, Ökonomie sowie Soziales sind die drei wichtigsten Grundpfeiler und zugleich auch Handlungsfelder, auch vor allem für die zukünftigen Generationen. Wichtig ist, dass vor allem alle Einheimische bei allen Prozessen „mitgenommen“ werden müssen
  • Israelische Gäste sind im Hochschwarzwald die Nr. 2 bei den internationalen Ankünften, und kommen direkt nach Berlin. Laut Herrn Rudolph kommen Sie hauptsächlich wegen der intakten Natur. Das Thema Mülltrennung und Nachhaltigkeit hat wohl im deutschen Vergleich nicht den gleichen Stellenwert
  • Das Thema Nachhaltigkeit gehört zu den zehn wichtigsten Werten der Deutschen. Quelle Reiseanalyse. Demnach ist das Thema für 22% aller Reisenden ein wichtiges Entscheidungskriterium. http://www.fur.de/ra/startseite/
  • Im B2B Bereich, speziell im MICE Umfeld, wird dieser Aspekt immer häufiger seitens der Firmen nachgefragt. Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf die sogenannten „Green Meetings“
  • Ein Leuchturmprojekt im Bereich der „Emas Zertifizierung“ ist das „Seehotel Wiesler“. Das Seehotel Wiesler setzt schon seit Mitte der achtziger Jahre auf Umweltverträglichkeit. Also recht lange bevor der Begriff „Nachhaltigkeit“ in Mode kam. Als Pionier wurde das Hotel bereits im Jahr 2006 mit dem weltweit umfangreichsten Umweltmanagementsystem EMAS zertifiziert. http://www.seehotel-wiesler.de/Hotel/Umweltvertraeglichkeit
  • Die „Kuckucksnester“: https://www.kuckucksnester.de Hier handelt es sich um sogenannte „Design Appartements“, die ausschließlich unter Verwendung regionaler Ressourcen gestaltet worden sind. Nur regionale Betriebe durften Hand anlegen. Der Grund für das Produkt lag in der Überalterung der Inhaber, die nicht mehr investieren wollten bzw. konnten. Hier hat die „DMO“ diese übernommen und vermarktet sie nun selbst
  • Ein neues Produkt ist „E-Carsharing“. http://www.hochschwarzwald.de/carsharing Über 350 Gastgeber haben sich daran beteiligt. Die Nutzungsbedingungen finden Sie unter dem angegeben Link. Somit ist der Hochschwarzwald das erste „E- Car Sharing“ mit rein touristischer Natur in Deutschland. 50%.der Leasing Gebühren werden von den Hotels bezahlt. Die Fahrzeuge haben eine Reichweite von 160 km. Es sind Autos vom Typ BMW I3. Derzeit gibt es 24 Autos im Einsatz. Die Fahrzeuge fahren mit 100% Ökostrom
  • Wichtig ist auch das Schulungsprogramm zum Thema Nachhaltigkeit für die Mitarbeiter. Ohne die Mitarbeiter ist solch ein Projekt nicht umzusetzen
  • Aktuell sind im „Verbesserungsprogramm Nachhaltigkeit“ 61 Maßnahmen definiert
  • Es ist wichtig zu verstehen, dass „Nachhaltigkeit“ gleich „Qualitätstourismus“ bedeutet. Dies muss allen Beteiligten klar sein

 


 

Abschließend noch ein paar ausgewählte Quellen zu dem Themenkomplex:

Quelle Deutscher Tourismusverband: 

Ein praxistaugliches Kriterien-Set, das nicht an bestimmte Zertifikate oder Labels gekoppelt ist.

Erstmals gibt es ein (kostenfreies) Standardwerk, das erklärt, was Tourismusverantwortliche in verschiedenen Aktionsebenen zur nachhaltigen Ausrichtung ihrer Destinationen tun können. „Nachhaltigkeit im Deutschlandtourismus – Anforderungen, Empfehlungen, Umsetzungshilfen“ heißt das Werk, das der DTV gemeinsam mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und dem Bundesamt für Naturschutz sowie der BTE Tourismus- und Regionalberatung geschaffen hat.

Dafür wurde Pionierarbeit geleistet: 1.364 Kriterien internationaler und europäischer Nachhaltigkeitsstandards im Tourismus wurden abgeglichen und bewertet. Das Ergebnis sind 40 Kriterien verteilt auf acht Handlungsfelder, die ökologische, ökonomische, soziale sowie managementbezogene Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen.

Folgende Fragen zeigen zum Beispiel auf, wo Handlungsbedarf besteht:

  • Arbeiten Tourismusorganisation und Naturschutzakteure zusammen?
  • Wird die Nutzung des ÖPNV und umweltfreundlicher Transportmittel unterstützt?
  • Bewirbt die Tourismusorganisation regionale Produkte?
  • Werden Erwartungen der lokalen Bevölkerung an den Tourismus analysiert?

Der Praxis-Leitfaden mit Handlungsempfehlungen, Checklisten und Best Practice steht kostenlos als gedruckte Broschüre sowie zum Download zur Verfügung:

Der Praxis-Leitfaden mit Handlungsempfehlungen, Checklisten und Best Practice steht kostenlos als gedruckte Broschüre sowie zum Download zur Verfügung:

 

Hochschule Luzern Leitfaden Nachhaltigkeit:
https://www.hslu.ch/de-ch/wirtschaft/ueber-uns/institute/itw/tourismus/tourismus-und-nachhaltige-entwicklung/projekt-nachhaltige-tourismusangebote

Die Insel Juist möchte die erste klimaneutrale Insel bis 2030 werden:

http://www.juist.de/inselurlaub/natur-klimainsel/klimainsel-juist/energiewende.html

Die Nordseeinsel Juist ist bereits „Deutschlands nachhaltigste Gemeinde 2015″.

https://www.nachhaltigkeitspreis.de/2015_ks_juist_detail/

Video: https://vimeo.com/149011316




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