24.02.2012

Meine Gedanken zu: „Hotel ist ausgebucht, aber es gibt keine Mitarbeiter mehr“…

Ein Thema was mir „bekannter Weise“ #HC11 (Hotelcamp der HSMA)  persönlich sehr am Herzen liegt. Ich bin jetzt mal bewusst provokativ bitte daher nicht übel nehmen…))

Ich fände es sehr schade wenn:

  • es in ein paar Jahren insgesamt noch viel mehr an Kunden gibt, die tolle innovative Hotelprodukte nachfragen und die Kundenzufriedenheit steigt. Hamburg ist da ganz vorne mit dabei. Siehe Pressekonferenz „HHT“ vom Montag (sorry für Schleichwerbung). Innovative Hotels wie z.B. das Prizeotel in Bremen machen es vor.
  • das Marketing noch erheblich an Effizienz zulegt (ROI)
  •  Direktvertrieb und dessen Notwendigkeit auch wirklich bei allen angekommen ist.
  • „Conversion Tracking“, LBS, PPC & co tatsächlich für keinen mehr den Eindruck erweckt, als handele es sich hierbei um ein neues „Onlinegame“ für Freaks etc.
  • Wir es schaffen auch die Zielgruppen in der Branche ansprechen, die nie oder nur selten bei solchen Veranstaltungen wie z.B. HSMA  mit dabei sind, es aber von großem betriebswirtschaftlichem Vorteil wäre für Sie
  • ihr Haus einen super Revpar hat

jetzt aber jetzt das große „Aber“ kommt…

  • Ihr Haus bis unter dem Dach voll ist, es aber es keine Mitarbeiter mehr gibt die Ihre Gäste einchecken? Haus voll, Mitarbeiter weg!!!! Eine ganz einfache Formel und ein herbes Schock Szenario aber bewusst übertrieben!

Der Rückgang von Auszubildenden und Mitarbeitern ist für viele existenzbedrohend. Für die kleinen Hotels auf dem Lande schon sehr lange (Rückgang bis 40 % und mehr). Dieser Effekt wird auch ganz sicher irgendwann mit der üblichen Verspätungswelle in die Städte kommen.

Viele der mir bekannten jungen Damen und Herren absolvieren eine tolle Weiterbildung und engagieren sich wirklich. I‘ like!  Sie sind perfekt ausgebildet was praxisorientiertes Hotelmarketing (online und offline) betrifft. Viele davon können „KPI“s aufstellen dass man vor Neid nur so erblasst. „User generated Content“, „Google Customer Journey“, all die Buzzwords sind keine Lippenbekenntnisse mehr, sondern tägliches Brot und keine graue Theorie.

Ja, alle möchten sich unbedingt persönlich weiter entwickeln, aber leider immer seltener – bis gar nicht mehr- in der Branche Hotellerie. Wir machen Sie heute fit für andere Branchen die vermutlich über uns lachen werden. Ein grasser Widerspruch der mir persönlich sehr weh tut!

Die Branche braucht „HEUTE“ überzeugende Angebote und harte Fakten damit es „MORGEN“ nicht zu spät ist für uns alle.

Vielleicht sollte man auf solch einer Veranstaltung wie der ITB oder dem HSMA Pricing & Distribution Day mit der Zielgruppe die bereits ausgestiegen ist, oder es bald vorhat, mal intensiv diskutieren und fragen, was denn die „wirklichen“ Faktoren sind, warum sie keine Lust mehr auf die Hotelbranche haben? Ich glaube persönlich dass es überwiegend nicht die Arbeitszeit & Co ist. Es sind andere Faktoren. Wenn man allerdings nicht immer wieder darüber spricht, wird sich auch wohl zukünftig nur wenig daran ändern.

Auf der ITB gibt es hierzu auch eine interessante Veranstaltung:

„War for Talent“: Die Massen-Flucht aus der Hotellerie.

Die Hotellerie bildet aus und verliert danach ihren Nachwuchs an andere Branchen. Wie kann sie junge Leute begeistern? Und was bietet die Branche den Jung-Akademikern?

http://www.itb-kongress.de/Kongressprogramm/TerminDetail.jsp?eventDateId=196635

Sorry für die langen Zeilen, aber ich stehe dazu und es ist auch ein sehr emotionales Thema. Lieben Dank für eure Geduld und Ausdauer!

Grüße Ansgar Jahns




Kommentare

Hallo Ansgar,

danke für diese offenen Worte, denen ich, wenn auch aus anderer Erfahrung zustimmen kann.

Leider scheint es so, dass die Hotels sich der Situation nicht bewusst sind. Oder sie denken: „Das Nachbarhotel tut auch nichts dagegen oder dafür. Dann passt schon alles.“

In zahlreichen Interviews mit Hotel-GMs und Personalleitern, vielen Gesprächen mit Branchenkennern und einigen Projekten, die sich diesem Thema angenommen habe, konnte und musste ich feststellen, dass es nur wenige Ideen in der Hotellerie gibt, um den Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen. Ausnahmen gibt es natürlich, und diese werden als Gewinner aus diesem „Krieg“ herausgehen.

Nur, warum tut sich so wenig in dieser Branche? Liegt es am Geld, an Ideenarmut, an zu kleinen Resourcen oder einfach nur am fehlenden Mut?

Viele Grüße

Gaby Feile

da ist was dran Gaby… Traurig aber wahr. SChade eigentlich weil es doch eine wirklich tolle Branche ist, mit super Aufstiegsmöglichkeiten. Gebe dir völlig recht

Sehr schön formuliert, Ansgar! Ich stimme Dir vollkommen zu: Es sind bestimmt nicht nur die Arbeitszeiten & Co…

Ich erinnere mich jetzt an ‚Undercover Boss‘ mit Markus Smola… Er bewies, wie einfach es eigentlich ist, Mitarbeiter zu motivieren!

Das ist m.E. der Hauptgrund, warum es ein Mangel in dieser Branche gibt. Die Motivation fehlt. Wenn es keine Motivation gibt, gibt es keine Leidenschaft für die Arbeit, dann hat man keinen Bock mehr und kündigt…

Vielleicht liege ich aber total falsch, was meint Ihr/meinen Sie?

Es gibt in dieser Branche hohe Erwartungen nach Perfektionismus – nicht nur von den Gästen aber auch von den Managern. Sind sie utopisch sind? Muss der Führungsstil optimiert werden bzw. realisiert werden?

Ich frage nur, weil ich der Meinung bin, dass gute Leaders der Hauptgrund sind, warum ein Team sich zusammen hält!

Ich lese gerade The Steve Jobs Way: iLeadership for the next generation. Das Buch empfehle ich absolut jeden Manager, egal aus welcher Branche. So inspirierend, so informative aber auch irgendwie so einfach.

Es ist ‚Common Sense.‘ Man weiß es, tut es aber nicht, weil es mehr Kraft und Zeit erfordert, Mitarbeiter zu motivieren. Man kehrt lieber wieder zurück zu den alten Gewohnheiten: Delegieren, Arbeit prüfen, wenig oder gar keinen Lob, nächste Aufgabe mit wenig oder gar keine Hintergrundinformation auf den Tisch stellen, usw. Warum? Weil es zeitsparender ist: ist erledigt, abhacken! Aber was manchmal vergessen wird, es ist teurer, neue Mitarbeiter zu finden und trainieren als neue Wege zu finden, um die Mitarbeiter zu behalten. Also ökonomisch gesehen, macht es keinen Sinn, Menschen unmenschlich zu behandeln, krass gesagt…

Es sind m.E. wirklich nur Kleinigkeiten, die Mitarbeiter zu motivieren… Das wird auch sogar nach außen getragen – motivierte Mitarbeiter sieht jeder Außenseiter – also der Nachwuchs wäre dann auch damit versorgt! Einfach gesagt, ich weiß…

Mein Fazit zu diesem Thema: Mitarbeiter zu behalten und Nachwuchs zu finden, fängt Zuhause an! Wir müssen uns einfach selber weiterentwickeln und von anderen lernen…

Was denkt Ihr dazu?

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