12.04.2012

Gastblogbeitrag Tina Sophie Cornelius zum Thema: Hotel ausgebucht – Mitarbeiter weg

Jahrelange Ignoranz und mehr Reden als Taten zeigen jetzt ernste Konsequenzen.

Nie zuvor war die Suche nach Auszubildenden  auch  in unserem Haus so schwierig und intensiv.

Ein Problem ist – und das stehen auch die Interessen der eigenen Branche der Entwicklung entgegen, dass natürlich auch die Hotels & auch die Ketten selbst oft kein Interesse an der Änderung der Tarifverträge haben. Die Minderung des Gewinns steht der qualifizierten Entwicklung der Branche entgegen.

Im Vergleich zu anderen Branchen sind die bisherigen kleinen Änderungen der Tarife mit „Babyschritten“ gleichzusetzen.

Wer sich heute auf Personalmessen begibt, bekommt selbstverständlich die Frage nach der Vergütung gestellt. So schön unsere Branche auch ist, hier können wir (mal) nicht glänzen und fallen gerade auch in der Attraktivität einer Ausbildung stark ab.

Auch der Hype nach den zahlreichen Kochshows ist inzwischen verpufft. Leider bekommt man diesen Beruf nur noch schwer an den Mann/die Frau.

Ein Bewerber fragte in seinem Gespräch, ob er sich nach der Ausbildung einen Wagen, eine Wohnung und Urlaub leisten könne. Im Hinblick auf die Vergütung und Anspruch sicherlich mit Zugeständnissen möglich. Doch ist es oft  natürlich der einfachere Weg, eine Branche zu suchen, die mir einen leichteren Lebensstandard ermöglicht.

Doch was ist die Lösung? Sind es zusätzliche Schulungen und individuelle Förderungen, die einen als Ausbilder attraktiver werden lassen? Nach unserer Erfahrung bisher leider auch nicht. Viele werden auch abgeschreckt, weil der Wunsch nach Unabhängigkeit und der Abkapselung vom Elternhaus nur schwer möglich sind. Die Auszubildenden müssen von der Familie auch während der Ausbildung finanziell unterstützt werden  oder verdienen sich (heimlich) etwas dazu. Keine gute Basis, wenn der Freiheitsdrang und der Wunsch nach Selbstbestimmtheit überwiegen.

Es ist dringend nötig, dass die Branche schnell reagiert und ggf. auch über neue Ausbildungsgänge nachdenkt. Die Berufsschulen beginnen erst sehr langsam, die heutigen Erfordernisse und Standards (insbes. im Sales/Marketing/Reservierung) in den  Lehrplan einzubauen.

Während wir als „alte Hasen“ uns permanent flexibel den neuen Gegebenheiten anpassen, steht der Lehrplan unserer Auszubildenden zurück.

Wer genau hinsieht bemerkt auch, dass bestimmte Positionen schon seit Jahren von den gleichen Personen z.T. sogar im gleichen Unternehmen besetzt werden. Das liegt sicherlich zum einen an der Qualität, zum anderen aber auch daran, dass es keine Alternativen gibt.

So  sehr  ich meine ähnlich umtriebigen Kollegen auch schätze  und treffe  – ich habe den dumpfen Verdacht, dass wir uns nach jetziger Renteneintrittsschätzung auch noch zu einem „Rollatorcamp“ treffen werden. Eine Aussicht, die mich nicht wirklich amüsiert.
Fachschulen haben den Trend erkannt und schulen das nach, was während einer Ausbildung nicht vermittelt wird. Das WÄRE kompetenter Nachwuchs, doch liegen die Gehaltsvorstellungen der Absolventen häufig in einem unrealistischen Bereich.

Für unsere Gäste sind wir Meister darin, auch kurzfristig alles möglich zu machen.
Wir sollten jetzt auch mal beginnen, für uns und die Zukunft unserer Branche ein ähnliches Engagement zu zeigen.

KASTENS HOTEL LUISENHOF

Tina Sophie Cornelius
Prokuristin/ Leiterin Verkauf & Marketing

http://www.kastens-luisenhof.de
http://www.leos-magazin.de




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